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Rauenthaler LagenbuchEin Nachschlagewerk über den Hang von Rauenthal und über das Rheingauer Etikett

Einzellage

Rauenthaler Nonnenberg, die Lage, die oft vergessen wird

Sie steht im amtlichen Verzeichnis an sechster Stelle, und sie fehlt in fast jeder Aufzählung, die aus zweiter Hand abgeschrieben wurde.

Nach Süden geneigter Weinberg mit kurzem Gras zwischen den Rebzeilen und einem einzelnen Obstbaum am oberen Rand des Grundstücks

Die sechste Einzellage der Gemarkung Rauenthal trägt den Namen Nonnenberg. Sie steht im amtlichen Verzeichnis, sie steht im Info-Blatt des Regierungspräsidiums Darmstadt, und sie fehlt dennoch in fast jeder Aufzählung, die aus zweiter Hand abgeschrieben wurde. Wer fünf Lagen zählt, hat eine vergessen. Diese Seite versammelt, was die amtlichen Quellen über den Nonnenberg aussagen, und sie benennt die Stellen, an denen die Zählungen auseinandergehen.

Was die amtlichen Quellen übereinstimmend festhalten

Zwei unabhängige amtliche Verzeichnisse nennen den Rauenthaler Nonnenberg ausdrücklich. Das eine ist die Anlage 3 der Hessischen Ausführungsverordnung zum Weinrecht, deren Eintrag „1.22 Rauenthal“ unter der Rubrik „Lagen und Bereiche des Rheingaus“ die Einzellagen der Gemarkung in der Reihenfolge des Eintrags aufführt: Baiken, Wülfen, Rothenberg, Gehrn, Langenstück, Nonnenberg. Das andere ist das Info-Blatt des Regierungspräsidiums Darmstadt, betitelt „GEOGRAPHISCHE ANGABEN“, Stand 01. November 2010, das unter der Nummer 3.4.2 die in die Weinbergsrolle eingetragenen Einzellagen des bestimmten Anbaugebiets Rheingau auflistet. Auch dort erscheint der Rauenthaler Nonnenberg, wiederum zwischen Rauenthaler Langenstück und Rauenthaler Rothenberg.

Nach beiden Quellen umfasst die Gemarkung Rauenthal demnach sechs Einzellagen:

  • Rauenthaler Baiken
  • Rauenthaler Gehrn
  • Rauenthaler Langenstück
  • Rauenthaler Nonnenberg
  • Rauenthaler Rothenberg
  • Rauenthaler Wülfen

Sämtliche sechs Lagen gehören zum Bereich Johannisberg, zur Großlage Steinmächer und zur Gemarkung Rauenthal in der Stadt Eltville am Rhein.

Warum der Nonnenberg so oft fehlt

Der Widerspruch in der Zahl ist kein Streit über eine Grenze, sondern ein Abschreibfehler mit Folgen. Die verbreiteten, aus zweiter Hand erstellten Zusammenstellungen des Weinbergs von Rauenthal nennen meist fünf Lagen: Baiken, Wülfen, Gehrn, Rothenberg und Langenstück. Der Nonnenberg fehlt darin. Die amtlichen Quellen hingegen, die Anlage 3 der Hessischen Ausführungsverordnung zum Weinrecht einerseits und das Info-Blatt des Regierungspräsidiums Darmstadt andererseits, zählen sechs. Dieses Buch folgt den amtlichen Quellen und gibt die Differenz offen wieder: Wo eine Liste fünf Einzellagen nennt, widerspricht sie dem amtlichen Verzeichnis, ohne dass die amtliche Grundlage je eine Fünferzahl gedruckt hätte.

Für den praktischen Umgang mit Lagenbezeichnungen ist die Frage nicht müßig. Ein Etikett, das den Namen einer Einzellage trägt, muss den Regeln des Weinrechts genügen, und diese Regeln setzen voraus, dass der Lagenname im amtlichen Verzeichnis steht. Der Nonnenberg steht dort. Eine Quelle, die ihn unterschlägt, beschreibt das Weinbergrecht von Rauenthal unvollständig.

Die Lage des Nonnenberg im Gefüge der Gemarkung

Die folgende Übersicht ordnet den Nonnenberg in die Eintragungen der Anlage 3 der Hessischen Ausführungsverordnung zum Weinrecht ein, soweit sie die Einzellagen der Gemarkung Rauenthal betrifft. Angaben zu Fläche, Hangneigung oder Boden führt die amtliche Quelle nicht.

Rauenthal und seine Einzellagen nach Anlage 3 der Hessischen Ausführungsverordnung zum Weinrecht, Eintrag 1.22
AngabeInhalt
Nr.1.22
GemarkungRauenthal
BereichJohannisberg
GroßlageSteinmächer
EinzellagenBaiken · Wülfen · Rothenberg · Gehrn · Langenstück · Nonnenberg
GemeindenameRauenthal

Die Großlage Steinmächer, zu der alle sechs Rauenthaler Einzellagen gehören, reicht über die Gemarkung Rauenthal hinaus und umfasst nach derselben Anlage 3 auch Gemarkungen von Eltville, Martinsthal, Walluf, Frauenstein, Schierstein und Dotzheim. Der Nonnenberg ist mithin eine von mehreren Einzellagen innerhalb einer Großlage, die mehrere Gemeinden überspannt.

Was von der amtlichen Seite nicht veröffentlicht wird

Für keine der sechs Rauenthaler Einzellagen, den Nonnenberg eingeschlossen, veröffentlicht eine amtliche Quelle eine Fläche, eine Hangneigung oder eine Bodenangabe. Weder die Anlage 3 der Hessischen Ausführungsverordnung zum Weinrecht noch das Info-Blatt des Regierungspräsidiums Darmstadt drucken solche Werte. Sie wären, soweit vorhanden, in der Weinbergsrolle nachzuschlagen, die beim Dezernat Weinbau in Eltville eingesehen werden kann und nicht online veröffentlicht ist. Zahlen, die private Portale zu einzelnen Rauenthaler Lagen verbreiten, bleiben hier ungedruckt, weil ihnen keine amtliche Veröffentlichung beiliegt und sie sich nicht gegeneinander bestätigen.

Die einzige beschreibende Angabe und ihr Rang

Was über die physische Beschaffenheit des Nonnenberg hinausgegeben wird, stammt aus einer einzigen Quelle: dem Regionalportal rheingau.de. Es beschreibt „tiefgründigen, steinig-grusigen Phylliten und Lösslehmen im unteren Teil des Hanges“ und gibt dem Hang eine südliche Ausrichtung. Diese Beschreibung ist einer privaten Redaktion zuzuschreiben und nicht als amtliche geologische Angabe zu lesen. Die geologische Fachbehörde des Landes, das HLNUG, nennt in ihrer Schrift „Die Weinbergsböden von Hessen“ Rauenthal namentlich nicht. Ihre Angaben zum Taunusanstieg und zum Oberen Rheingau, etwa dass taunuswärts der Untergrund zu tiefgründig verwittertem Gestein des Rheinischen Schiefergebirges wechselt und dass eiszeitlicher Löss als Ausgangssubstrat der Bodenbildung hervorzuheben ist, beschreiben die Landschaft, zu der Rauenthal gehört, nicht die einzelne Lage.

Wie der Name auf einem Etikett zu stehen hat

Das Info-Blatt des Regierungspräsidiums Darmstadt bindet die Wahl eines Lagennamens an Formvorschriften, die für jede der sechs Rauenthaler Einzellagen gelten und die der vergessenen Lage zugutekommen, sobald man sie kennt:

„Die in die Weinbergsrolle eingetragenen Einzellagen … im bestimmten Anbaugebiet Rheingau: Rauenthaler Baiken, Rauenthaler Gehrn, Rauenthaler Langenstück, Rauenthaler Nonnenberg, Rauenthaler Rothenberg, Rauenthaler Wülfen.“

Regierungspräsidium Darmstadt, Info-Blatt GEOGRAPHISCHE ANGABEN, Abschnitt 3.4.2

Für den Nonnenberg folgt daraus, dass der Name nicht isoliert auf ein Etikett gehört. Wer die Lage nennt, nennt die Gemeinde oder den Ortsteil, also Rauenthal, und im Falle eines Qualitätsweins b.A. zusätzlich das bestimmte Anbaugebiet Rheingau. Dieselbe Regel schärft den Blick für die Nachbarlage Langenstück, die als gemarkungsübergreifende Einzellage die Gemarkungen Rauenthal, Eltville und Walluf berührt; drei Einzellagen im Rheingau tragen diesen Namen mit verschiedenen Gemeindenamen, sodass ein Schreiber den Gemeindenamen nie weglassen darf.

Diese Seite sagt nichts, was die amtlichen Quellen nicht selbst drucken. Sie nennt keine Hektarzahl, keine Grad Oechsle, keine Pflanzendichte und keine Ernteangabe für den Nonnenberg, weil keine dieser Größen amtlich veröffentlicht ist. Sie behandelt auch nicht die Frage, welche Gewannbezeichnungen der Weinbergsrolle für den Nonnenberg eingetragen sind: Das Info-Blatt des Regierungspräsidiums Darmstadt führt in seiner Rubrik 3.5 für die Gemarkung Rauenthal Gewannbezeichnungen zu Baiken, Gehrn, Langenstück und Rothenberg, aber keine zum Nonnenberg. Ob dies eine Lücke des Info-Blatts oder das Fehlen eingetragener Gewanne ist, entscheidet allein die Weinbergsrolle, die beim Dezernat Weinbau in Eltville eingesehen werden kann. Wer es genau wissen will, findet dort die Antwort, nicht hier.